Vermeiden (über Schreibblockaden und Füllwörter)

Manchmal will die Muse mich einfach nicht knutschen. Küssen – ja. Aber nur flüchtig. Danach, sagt sie, hat sie was anderes zu tun.

Was tut man da? Schließlich hat man sich ja seine festen Schreibzeiten eingerichtet, und nichts ist tödlicher für die Regelmäßigkeit, als da jetzt auszubrechen.

Gut trifft es sich, wenn eine Mail eintrudelt mit einem Text zum Korrekturlesen aus meiner lockeren Autorengruppe.

Ich habe festgestellt, dass ich am meisten gelernt habe, indem ich mich intensiv mit den Texten anderer befasst habe. Meine Hochachtung vor all jenen Autoren (vor allem zu früheren Zeiten), die einsam in ihrem Kämmerlein sitzend ihre Manuskripte verfasst haben. Ich brauche den Austausch mit anderen.

Anfangs ist es ganz krass. Die Brille der Betriebsblindheit sitzt wie festgeklebt, wenn man sich mit den eigenen Texten befasst. Es hilft ungemein, sich mit einer großen Portion Humor zu wappnen, wenn man feststellt, dass einem exakt die gleichen Fehler in einem fremden Text sofort ins Auge fallen – über die man im eigenen Werk zehn Mal hinweggelesen hat.

Aber dafür gibt es eben die treuen Alphas (Probeleser, die ein Kapitel oder Szenen noch feucht ausgehändigt bekommen, weil der Autor sich unsicher ist, ob die Szene so funktioniert. Mein Hauptknackpunkt: Kampfszenen und Männergespräche), Betas (Probeleser, die Kapitel für Kapitel des bereits mehrfach selbst – und mit Hilfe des Alphas – überarbeiteten Manuskripts bekommen) und zuletzt die “echten” Probeleser, die das vollständige, dutzendfach überarbeitete Werk zur finalen Gesamtbeurteilung und Korrektur von durch die Netze gegangenen Tippfehlern durchgehen.

Zum Glück stellt man irgendwann fest, dass man sich auf einer Lernkurve befindet. Von wegen “was Hänschen nicht lernt …”

Auch im mehr oder minder vorgerückten Alter ist es möglich, an seinen Herausforderungen zu wachsen. Sehr schön ist, dass es praktische Tools gibt, die einem ermöglichen, diese Lernkurve zum Beispiel anhand der Füllwörter sichtbar zu machen.

Füllwörter verwendet jeder von uns, meistens beim Sprechen. “Du, äh, sag mal, wie ging das nochmal mit dem Einstellen der Uhr am Backofen?”

Und auch, wenn wir frisch von der Leber weg einen Text schreiben, sei es eine Notiz, eine Mail an Freunde oder eben die Rohfassung des Manuskripts, dann neigen wir dazu, Füllwörter einzubauen an den Stellen, wo wir noch nicht so genau wissen, wie wir weiter schreiben sollen, wollen.

Ich habe gelesen, man solle eine Füllwortquote von unter 5 Prozent anstreben, bekannte Autoren bewegen sich meist in einem Korridor von 4 bis 8 Prozent.

Hier gibt es zwei online Tools, die Füllwörter markieren und eine Quote ausgeben. Zudem warten sie auch noch mit Beispielen aus der Weltliteratur auf.

letter-factory http://www.letter-factory.com/elektorat.php
schreiblabor https://www.schreiblabor.com/textlabor/filler/

Um zurück zu meiner Mini-Schreibblockade zu kommen: Ich habe also diesen Moment der kreativen Pause dazu genutzt, die Kapitel des ersten Teils meiner Rohfassung zu überprüfen.

Das ist dabei herausgekommen:

  1. Kapitel – 3,2 %
  2. Kapitel – 3,46 %
  3. Kapitel – 4,06 %
  4. Kapitel – 2,15 %
  5. Kapitel – 3,49 %

Solche Zahlen geben dann gleich mal einen Schub, um beschwingt weiter zu machen!

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