Interna aus dem Autorenleben | Gastbeitrag: Alexander Bally – Exposé und Co

Nach langer Zeit der Abstinenz wieder einmal ein Gastbeitrag, der sich an alle aus der schreibenden Zunft widmet – und diejenigen, die ihr gerne angehören möchten.

Alexander Ballys ebenso kompetent wie herzlich formulierter Beitrag ist mir in einer Facebook-Gruppe positiv aufgefallen, und ich freue mich sehr, dass der Autor sich zu einem Gastbeitrag bei mir bereiterklärte!

Insbesondere seine Tipps zu telefonischer Voranfrage und die Inhaltsangabe zum Exposé in einem Plauderton zu verfassen, kann ich vollumfänglich unterschreiben.

Ach ja, und den Wert des USP (er bezeichnet den „unique selling point“ als „Alleinstellungsmerkmal“) kann man gar nicht überschätzen! Der muss sitzen!

Aber nun seht selbst, was Alexander zu sagen hat:

Exposé und Co

von Alexander Bally

Exposé ist in aller Munde. Aber herrscht leider eine gewisse Begriffsverwirrung. Es gibt nämlich zweierlei verschiedene Exposé-Arten. Beide sind knapp und eng mit dem Inhalt verbunden. Aber sie haben ganz verschiedene Aufgaben und darum sind sie grundverschieden.

Das eine ist das Exposé zur Plotentwicklung. Das andere ist das Exposé, um ein Werk zu verkaufen..

Das Entwicklungsexposé

Es gibt Plotschulen, die sehr aufwändig und detailliert plotten. Auch wenn das nicht mein Weg ist, will ich es nicht schlecht reden. Es ist eine Methode, mit der viele Menschen erfolgreich arbeiten.

Diese Methode beginnt mit einer Idee und dem Pitch. Dann entwirft man detailliert die Hauptcharktere.

Das Entwickungsexposé ist dann nächste Schritt, in dem die Handlung in eine Reihe von einzelnen Szenen oder Kapiteln aufgeteilt wird. Jede einzelne Handlungssequenz wird in einem nummerierten Stichpunkt, meist nur einem Satz festgehalten. Hier erkennt man zum ersten Mal die Struktur, den Ablauf, die Entwicklung der Spannung und das Zusammenspiel der Handlungsstränge.

Dieses Exposé ist bei dieser Methode ein sehr wichtiger Zwischenschritt.  Hierauf baut alles weitere auf. Die einzelnen nummerierten Punkte dieses Entwicklungsexposees werden dann immer weiter ausgebaut, ausgearbeitet und ausgeführt. Am Ende wird alles zum fertigen Roman vereinigt. Doch von dieser Art des Exposé will ich hier nicht reden.

Das Verkaufsexposé

Es geht hier um das andere Exposé, das Verkaufsexposé, mit dem man ein Werk bei einem Verlag oder bei einem Agenten einreicht.

Ein gutes Exposé … ist höllisch schwer zu schreiben.

Man sollte diese Aufgabe aber trotzdem nicht scheuen. Ein Exposé ist ein wichtiges Werkzeug für alle, die sich ein Bild über ein literarisches Werk verschaffen wollen. Denn das genau ist der Zweck: Man soll einem interessierten Leser – einem potentiellen Geschäftspartner – Überblick verschaffen und ihm die Infos geben, die er braucht, um das Werk richtig einzusortieren.

Noch ein wichtiger Punkt zur Klärung vorab: Das Exposé soll zwar helfen, ein Manuskript an den Mann (oder die Frau) zu bringen. Es ist aber KEIN Werbetext. Es ist ein SACHTEXT. Daran sollte sich die Sprache orientieren. Nie wird sie reißerisch oder bescheiden. Klar sollte sie sein und sachlich.

Alles in allem sollte das Exposé nicht länger als zwei Seiten werden. Peile also 1,5 Seiten an. Es ist höllisch schwer und wird meistens ohnehin länger. Bei mehr als zweieinhalb Seiten muss man aber dringend überlegen, ob es kürzer geht.

Genau diese Kürze stellt das Problem und natürlich die große Nähe des Autors zu seinem Werk dar. Man sieht rasch den Wald nicht mehr vor lauter Bäumen.

Was macht ein Exposé genau?

Ein Exposé gibt Auskunft über ein Manuskript, und zwar sowohl über die Geschichte an sich, aber auch über die Position des Werkes auf dem Buchmarkt.

Es gibt nicht Auskunft über den Autor, seine Absichten oder Gedanken und Hintergründe. Der Autor tritt in hier den Hintergrund. Hier geht es um das Werk.

Das Exposé ist ein Verkaufsinstrument. Das Manuskript ist nun die Ware des Autors. Man muss das Werk ganz unromantisch verkaufen wie ein Auto oder ein Bügeleisen. Und darum müssen neben der Handlung auch technische – buchhändlerische – Fragen beantwortet werden.

Ein Exposé sollte aus folgenden Elementen bestehen:

  • Pitch

Was für eine Geschichte hast Du erzählt?
Was ist herausgekommen?
Oder, wenn sie noch nicht geschrieben ist – Aprioriexposés gibt es auch – was für eine Geschichte soll dabei herausgekommen? Alles, der ganze Roman reduziert in einem Satz, höchstens zwei Sätzen:
Es ist die Geschichte von … der … um zu … und am Ende … .
Das ist nicht einfach, man kann es aber an bekannten Werken üben, an „Heidi“, „Tom Sawyer“, der „Schatzinsel“ oder auch am „Froschkönig“.

  • Vorstellung von Schauplatz, Protagonist(en) und Antagonist(en)

Wann, wo, wer?  Hier nur das Wichtigste schreiben. Gib Antwort auf die Frage: Was zeichnet die Figuren und den Ort aus? Knapp, treffend, präzise.

  • Kurze Zusammenfassung des Inhalts incl. Ende

Der Anfang, wichtigste Wendepunkte, das Ende. Keine Details. Nebenhandlungen zusammenfassen.
Eine halbe Seite ist das Soll. Das ist sehr wenig. Man muss lernen gnadenlos zu vereinfachen. 600 Seiten Irrfahrt können da auch einmal mit „nach einer Vielzahl von Abenteuern und Verlusten“ zusammengefasst werden.
Wichtig:
Das Ende gehört mit dazu! Keinen Cliffhänger. Es geht hier ums Verkaufen, nicht ums Genießen. Es darf und muss gespoilert werden.

Nun kommen schon die Technikas

  • Zielgruppe

Wen soll das Buch interessieren? Für wen wurde es geschrieben. Stell Dir die Zielgruppe genau vor. Was mögen Sie sonst noch?

  • Zustand des Werkes

Ist es fertig? Ist es noch nicht verfasst? Wie oft überarbeitet? Folgebände geplant oder in Arbeit?

  • Umfang

Wie viel hast Du geschrieben oder willst Du schreiben?
Die gebräuchlichste Maßeinheit ist die Normseite (NS).

  • Beschreibung der benutzten Sprache und des Stils

Eher flott und flapsig, schwärmerisch oder sachlich schlicht? Auch diese Frage ist wichtig. Dialekt(e)? Wenn es ein lustiges Buch ist, versuche den Humor zu beschreiben und einzuordnen. Zwischen groben Schenkelklopfern á la Herrenabend und fein gesetzten Pointen oder drolliger Sprachkomik kann man schon unterscheiden und sollte es auch.

  • Einsortierung auf dem Markt

Was sind Vorbilder, was ist vergleichbar? „Wem „X“ gefallen hat, wer sich von „Y“ verzaubern lies, dem wird auch dieses Buch gefallen.“

  • Alleinstellungsmerkmale

Was macht das Manuskript einzigartig, wo ist das Besondere?

  • Das zu erwartende oder angestrebte Leseerlebnis

Das ist jetzt eher mein persönliches Ding. Ich finde es schön, damit abzuschließen. Was für ein Gefühl sollte (oder wird) der Leser haben, wenn er die letzte Zeile gelesen hat und das Buch schließt.

TIPP

Um den richtigen Ton zu treffen und präzise zu bleiben, hilft mir Oma.

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Nun gut, keine Oma … aber bestimmt wird sie irgendwann mal eine Oma, die kleine Maus

Stell Dir beim Abfassen des Exposés einfach vor, Du erzählst alles einer Oma, die mit einer Papiertüte auf einer Parkbank sitzt und Tauben füttert. (Diesmal wollen wir die unselige Flugrattenfütterei durchgehen lassen!)

Erzähl ihr von Deinem Buch all das, was im Exposé stehen soll. Aber: Du hast nur solange Zeit, wie sie noch Taubenfutter hat.

Mach es also einfach, schlage gerade Achsen durch den Dschungel der Details und verzettel Dich nicht in Einzelheiten. Sprich ruhig, sonst verscheuchst Du die Tauben.

Stell dein Licht nicht unter den Scheffel, aber versuche auch nicht, der Oma etwas anzudrehen. Sprich freundlich mit Ihr, gelassen, ohne Schnörkel und Effekthascherei. Und ohne Umwege!

Zur Form:

Wenn wir es am Telefon geschafft haben, den Agenten oder Verleger zu interessieren und eine Kostprobe schicken sollen, wird es ernst. Die meisten verlangen zur Leseprobe auch ein Exposé. Und ein Anschreiben ist ohnehin nötig.

Auf diese Sendung sollte jeder höchste Sorgfalt verwenden. Sie ist die erste Arbeitsprobe. Auch das Exposé und Anschreiben. Schludriger Ausdruck, fehlerhafte Grammatik und andere Pannen fallen sofort auf – oder eben ihr Fehlen. (Rechtschreibfehler erwähne ich erst gar nicht!) Wenn der Eindruck entsteht, dass der Schreiber großen Wert darauf legt, gut zu schreiben, dann hat man es richtig gemacht.

Dann heißt es Warten und Hoffen.

Alexander Bally

http://www.alexander-bally.de

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