Andskotinn!* (isländ. für „Verdammt!“)

Manchmal – zugegebenermaßen aber nur sehr selten – reut es mich, dass ich im historischen Genre schreibe.

historischgoesromantisch

Denn manches wäre doch einfacher in einem zeitgenössischen Setting. Wie zum Beispiel die Frage der Kontrazeptiva oder bei Szenen, wenn eine Prota in einer heutigen Situation kurzerhand im Drogeriemarkt einen Schwangerschafts-Schnelltest kaufen würde.

Aber was mache ich dann?

Sowas (Textausschnitt aus Melwyn2):

Später liegen wir erschöpft nebeneinander.
Der Atem meines Falken hat sich noch nicht beruhigt, da stößt er ein gequältes Stöhnen aus.
Was ist mit ihm? Reut es ihn, dass er mit mir …? Der Stachel der Eifersucht durchbohrt erneut mein Herz, als ich in Erwägung ziehe, er könnte vielleicht doch mit ihr …
»Ach du heilige Scheiße«, stößt er hervor und dreht sich mit einem schnaubenden Lachen zu mir um. »Bei Freyja, jetzt hat es mich derart übermannt, dass ich ganz vergessen habe …« Er lächelt scheu, nur zögerlich erscheinen die Grübchen in seinen Wangen, die ich so sehr liebe, während er mir eine Haarsträhne hinters Ohr streicht.
Wovon redet er? Ich schlage die Stirn in Falten, denn ich mag es nicht, wenn Ifill in jenen Rätseln spricht, die jedermann zu beherrschen scheint abgesehen von mir.
»Nun schau nicht so«, spricht er weiter. »Ich weiß ja selbst, dass es nicht sonderlich viel bringt, aufzupassen. Herkir, den ich um Rat gefragt habe, hat selbst zugegeben, dass seine ganzen fünf Sklavenbälger auf diese Weise entstanden sind.«
Ich zwinkere, weil ich beim besten Willen nicht verstehe, wovon der Falke redet. Aufpassen? Worauf?
»Jetzt liegt unser Schicksal in den Händen der Göttin«, fährt er fort. »Nur sie kann es jetzt noch richten, dass mein Samen sich nicht in dir verfängt.«
»Du …« Stück für Stück fügt sich das Gehörte zusammen, aber es ergibt nicht wirklich Sinn. »Du hast Angst, du hast mir gerade ein Kind gemacht?«, rate ich drauflos.
»Hm-mh«, macht er und verzieht sein Gesicht.
»Nun ja …« Im Kopf überschlage ich die Anzahl der Tage, die seit meinem letzten Mondblut verstrichen sind. »Ehrlich gesagt kann das gut möglich sein. Deine Mutter hat mir erklärt, rund ein Dutzend Tage, nachdem das Mondblut zuletzt zu fließen begann, ist die Wahrscheinlichkeit zu empfangen am höchsten.«
»Hat sie das?« Ifill sieht nicht aus, als ob er das hören möchte, andererseits fragt er gleich nach. »Ist sie sich da sicher?«
»So sicher die erfahrenste Heilkundige von Rindumbucht sein kann.« Ich grinse, aber ihn scheint das nicht zu erfreuen. »Aber weshalb fragst du das? Wollen nicht alle Männer möglichst viele Kinder zeugen, um ihre Kraft und Stärke zu beweisen?«
»Es ist mir gleich …«, beginnt der Falke, und ich meine fast zu sehen, wie er sein Gefieder sträubt. »… was andere Männer wollen. Ich wünsche mir nur eines: Dich nicht zu verlieren.« Erneut hebt er seine Hand und streicht ganz sachte über die Haut an meinem Wangenknochen.
»Aber weshalb solltest du?« Kann er sich nicht deutlicher ausdrücken?
»Mithills Geburt …« Er windet sich sichtlich. »Ich hatte solche Angst, dass du … Die Pforte hinab zu Hels Halle öffnet sich verlockend weit, wann immer ein Kind geboren wird, und ich fürchtete wirklich, du würdest hindurch schreiten.«
»Du hast gedacht, ich sterbe?«
Er schluckt, nickt, und der leicht aufgeworfene Schwung seiner Lippen verschwindet, so fest presst er sie zusammen. »Lieber will ich kein weiteres Kind, als dich zu verlieren, Frau«, bringt er schließlich hervor.

* Linktipp für alle, die mal ein wenig Isländisch fluchen wollen

2 Gedanken zu “Andskotinn!* (isländ. für „Verdammt!“)

  1. Da hatte ich auch meine Probleme! Zum Teufel, verflucht, verdammt, fahr zur Hölle … All dieses kann ich meine Wikinger nicht sagen lassen, handelt es sich doch alles um christliche „Werte“ (wie pikant!)..
    Wie also bei Satan (!) haben die Wikinger geflucht?

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    • Nun ja, geflucht haben sie durhaus, die Wikinger, denn Flüche bzw. die Unsitte, jemanden zu verfluchen, gab es schon vor der Christianisierung.
      Allerdings hast du recht, Redewendungen wie „den soll doch der Teufel holen!“ oder „sie muss vom Teufel besessen sein!“ würden sich mehr als unpassend im heidnischen Setting machen.
      Wenn du gespannt bist, wie ich es in „Die 13. Jungfrau“ und in der gerade in der End-Überarbeitung befindlichen Fortsetzung dazu gelöst habe – bleibt dir wohl nur, eins der Bücher zu kaufen.
      Denn ich plaudere viel aus dem Nähkästchen – das aber nicht! 😉

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