Interna aus dem Autorenleben | Die Krux mit dem Genre – oder – Achtung, Schubladendenken!

Für eine möglichst aussichtsreiche Verlagsbewerbung sollte (d)ein Manuskript perfekt in eine Schublade passen, die vom angeschriebenen Verlag bereits erfolgreich angeboten wird.

Verlage nutzen Werbe-Schablonen. Das macht Sinn, denn eine Werbekampagne für einen einzigen Autor, gar ein einziges Buch rentiert sich wirtschaftlich nicht. Stattdessen hängen sie – wie im Kleiderladen – Blusen zu Blusen, Röcke zu Röcken, Kleider zu Kleidern und Hosen zu Hosen.

Gilt auch für Selfpublisher

Aber auch als Selfpublisher funktioniert es einfacher, wenn man sich an Genre-Konventionen hält, denn wir agieren nicht im luftleeren Raum, sondern bieten unsere Leistung Lesern an, die vom Schubladendenken (den eingeführten Genres) der Verlage und Buchhandlungen konditioniert sind.

Wenn wir das Bild vom Klamottenladen auf den Büchermarkt übertragen, erkennen wir, dass es wenig Sinn macht, bspw. ein Motto-T-Shirt in leuchtenden Farben und mit einem flapsigen Spruch in die „schicke-Boutiquen-Ecke“ zu hängen. Die Kundschaft, die sich für elegantes Understatement mit Perlenkette begeistert, würde ob des unkonventionellen Stücks nur höchst irritiert die Augenbrauen hochziehen.

Genau diese Erfahrung habe ich mit meinen Debüt gemacht, das vom Verlag als historischer Roman etikettiert wurde. Der moderne Erzählstil mit Ich-Perspektive und Präsens ist nicht das, was Genre-Liebhaber erwarten, historische belegte Fakten muten Romanzen-Fans grausam an und die „horizontalen Kampfszenen“ verschrecken Freunde der ernsthaften Beschäftigung mit der Epoche.

Selbsterkenntnis ist der erste Weg …

Die daraus resultierende Selbsterkenntnis:
Wenn ich eines kann, dann mich passgenau zwischen die Stühle setzen.

Den darauf unweigerlich folgenden, ebenso heftige wie schmerzhaft ausfallenden Sturz auf den Boden der Tatsachen versuche ich inzwischen abzumildern, indem ich meine SP-Werke unter dem (erheblich flexibleren) Genre „Fantasy“ einordne.
Mit … Erfolg. Gut, es ist noch ordentlich Luft nach oben, aber Rom wurde bekanntlich auch nicht an einem Tag gebaut.

… weiterzumachen wie bisher

Doch wieso bin ich so beratungsresistent, was den Punkt angeht, was und wie ich schreibe? Weshalb verhalte ich mich dermaßen verstockt, schlage das Angebot einer weiteren Verlagsveröffentlichung ebenso aus wie die freundlichen Fingerzeige von SP-Kollegen, die auf ihren Erfolg verweisen, der in dem Moment einsetzte, als sie sich den Gesetzmäßigkeiten ihres Genres unterwarfen?

Nicht, weil ich sie ärgern wollte!

Sondern weil mir stets bewusst ist, weshalb ich angefangen habe:

Weil ich als Leser mit dem, was in der Schublade „historischer Roman“ angeboten wurde, nicht glücklich war.

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