Aus dem Fundus der Autorin: MRSA-Heilmittel aus dem 9. Jahrhundert

Nachdem ich das Video mit der Rezeptur gesehen hatte, war mir klar, dass ich es unbedingt in einem meiner Bücher verwenden muss.

Und wie der Zufall (wir wissen ja, was ich von sogenannten Zufällen halte) es will, bietet bereits das Manuskript zu Foys Abenteuern die Gelegenheit, diese hochwirksame Arznei aus dem Mittelalter einzusetzen!

»Das Bauchfell?« Ich schlage die Hand vor den Mund. Gleicht das Innere von Dyggur etwa dem eines frisch geschlachteten Schweins? Mit heftigem Schlucken unterdrücke ich die aufsteigende Übelkeit und suche Adalbirgas Augen.

Sie presst die Lippen aufeinander, ehe ihre Mundwinkel zu einem ganz leichten Lächeln zucken. »Das Bauchfell ist nicht verletzt. Ich hatte recht: Er wird nicht sterben! Hörst du?« Ihr Blick wandert zu Bjørgyn, der einen Stoffsack in seinen Händen quetscht.

»Aber …« Seine blutleeren Lippen leuchten geradezu weiß aus seinem roten, mit Blutflecken verspritzen Bart. »Im Frankenland, auf unserer Glücksfahrt … Da sind Männer mit leichteren Verletzungen weggestorben wie die Fliegen. Heimtückisch, zunächst sah es danach aus, als würden die Wunden heilen, aber dann kam das Fieber – und mit ihm der Tod.«

Adalbirga reckt das Kinn, ihre Kiefer mahlen. »Ja«, sagt sie. »Ich will dir nicht widersprechen. Auch Dig-gur wird Fieber bekommen, hohes Fieber. Aber …« Ihre bleichen Wangen bekommen rote Flecken der Aufregung. »… eure heidnischen Götter müssen es gut meinen mit deinem Bruder, Herr Pjörk-win. Denn weißt du, womit ich den größten Teil meiner Zeit in der Krankenstube des Klosters verbracht habe?«

Bjørgyn sieht sie aus dem Augenwinkel an und sein Gesichtsausdruck erweckt nicht den Eindruck, als ob er begierig darauf sei, die Auflösung zu erfahren. »Nein. Fürbitten an deinen gekreuzigten Gott gesprochen?«

»Gebete?« Adalbirga runzelt die Stirn. »Nein, das war den Mönchen vorbehalten.« Dann leuchten ihre Augen auf. »Ich musste vom späten Vormittag bis in den Abend hinein Zwiebeln und Knoblauch kleinschneiden, sie gut vermischen und …«

»Einen Eintopf kochen?« Bjørgyn schnaubt.

»Eintopf.« Adalbirga verzieht das Gesicht. »Glaubst du, wir Frauen können nur kochen?«

»Was hast du denn mit den kleingeschnittenen Zwiebeln gemacht?«, frage ich, um die beiden abzulenken.

Adalbirga schenkt mir einen dankbaren Seitenblick. »Ich habe sie mit Wein und Ochsengalle vermengt. Die Mischung musste neun Tage lang in einem kupfernen Kessel gären, dann war die Salbe fertig, die selbst das übelste Wundgift und Eiter aus den Verletzungen zog.«

Für die Dauer von mehreren Atemzügen herrscht Stille, dann durchbricht Bjørgyns Murmeln die Ruhe. »… neun Tage … … heilige Zahl …«, erlausche ich aus den dänischen Silben und sehe, wie er den Blick gen Himmel richtet. »… Odin selbst an diese Frau gerührt hat?«

»Und nun gib mir Moos, Foy«, schreckt Adalbirgas Stimme mich auf.

Moos? In welchem der Beutel steckt es? Ich durchsuche vergeblich Adalbirgas Taschen, dann fällt mein Blick auf den Stoff in Bjørgyns Hand. Darin muss es sein! »Danke«, sage ich und strecke die Hand aus. »Gibst du ihn mir?«

Doch er schluckt nur, seine Kiefer mahlen und er scheint meine Stimme nicht wahrzunehmen.

Link zum Originalbeitrag https://www.researchgate.net/publication/309858975_Eine_1000_Jahre_alte_Rezeptur_gegen_multiresistente_Keime_A_1000-year-old_recipe_against_multiresistant_germs

 

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