Interna aus dem Autorenleben | Sexualisierend! Softporno!

Eine liebe Kollegin, der ich auf allen Kanälen sehr gerne folge, gab kürzlich kund, dass sie den zweiten Teil meiner Zeitreise-Romanze gelesen und rezensiert hätte.

Freudig erregt folgte ich dem Link – und verfiel in Schockstarre angesichts des Kommentars:

Nachdem ich mich halbwegs berappelt hatte, zeigte ich den Kommentar meinem Mann. „Was soll ich tun?“, fragte ich ihn und sah hilfesuchend zu ihm hoch.

„Klarer Fall“, antwortete er mit der ruhigen, analytischen Art, die ich so sehr an ihm liebe. „Da ist ein Cover-Make-over angesagt. Züchtig verhüllt! Und dann …“ Er sah mich ernst und eindringlich an. „… überarbeitest du das Manuskript. Streiche sämtliche Buchstaben S, E und X daraus!“

Klarer Fall: Mache ich natürlich nicht! Nicht nur, weil mein Mann nach dem letzten Satz mit schallendem Gelächter herausgeplatzt ist – sondern weil da jemand wohl ziemlich viel nicht verstanden hat.

Aber bevor ich darauf verweise, was ich selbst zu diesem Thema verzapft habe, lasse ich lieber mit Ken Follet einen internationalen Bestsellerautor zu Wort kommen, der über jeden Zweifel erhaben ist:

Hier geht es zum vollständigen Interview.

Ich kann dem Großmeister nur vollumfänglich zustimmen! Routine ist der Tod einer jeden Szene – auch und gerade bei „horizontalen Kampfszenen“.

Aber als erfahrener Autor wie Liebhaber weiß Ken Follett gewiss – zumindest hoffe ich das für seine Frau Barbara – dass auch ein „in die Jahre gekommenes Ehepaar“ beim Sex „Gefühlsaufruhr“ erleben kann. Er wird es angesichts der Vielzahl an behandelten Themen nur nicht explizit erwähnt haben.

Wer sich – völlig unverbindlich – ein Bild davon machen will, wie so eine Sexszene beschrieben werden kann, dem lege ich meinen Newsletter ans Herz. Denn im Kurzroman „Wellenmädchen“, den jeder Abonnent als Begrüßungsgeschenk erhält, kommt genau das vor.

Und, um den Bogen zurück zum „sexualisierenden Softporno-Cover“ zu schlagen:

Dass „Aus der Zeit gefallen – Thórsteinn vs. Charlotte“ dieses (verhältnismäßig harmlose) Cover bekommen hat, ist wohl begründet: Im Genre New Adult gelten gewisse Regeln für die Gestaltung.

Und wer jede Sexszene, gleichgültig, mit wie viel Emotionen sie einhergeht, als „Pornografie“ verunglimpft – der gehört eh nicht zur Zielgruppe meiner Werke.

Natürlich kann man als Autor jede Menge falsch machen, wenn man sich mit seinen Protagonisten in die Horizontale bewegt. Auf mich wirken z. B. gewisse Wörter wie der berühmte Eimer eiskaltes Wasser.

Aber ich bin unheimlich froh, dass meine liebe Kollegin Bo Leander mich ermutigt hat, meine Sexszenen nicht mehr nur anzudeuten, sondern bis zum Höhepunkt dabei zu bleiben.

Denn wenn ich dann Rückmeldung erhalte wie diese, dann weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin:

„Was ich bei Deinen Bücher auch ganz prima finde: Sie sind zwar sehr erotisch (teilweise), aber ohne dabei ins Schwülstige oder Vulgäre abzudriften , das gefällt mir sehr, denn sonst mag ich die erotischen Sachen oft nicht so!“