Buchvorstellung | Karin Seemayer: Die Tochter der Toskana

Im Dezember hatte ich an dieser Stelle ja bereits das Prequel zu diesem historischen Roman, „Die Tochter der Toskana – Wie alles begann“ vorgestellt,  und am Freitag wurde nun endlich das E-Book in meine Kindle App geliefert!

Meine Meinung:  Auch wenn Karin Seemayer mir mit der Zeit zu einer sehr lieben Kollegin geworden ist, mit der sich nicht nur herrlich prokrastinieren, sondern auch recherchieren und Ideen prüfen lassen lässt, und obwohl mich ihre zweibändige „Saga der Albatrosse“ komplett begeistert hatte, muss ich zugeben, dass ich überaus kritisch an diesen historischen Roman herangegangen bin.
Gerade wenn man eine Buchreihe so liebt wie ich diese beiden Bücher, dann wird man als Leser mitunter allzu leicht enttäuscht. Sei es, weil man mit überzogenen Erwartungen an die Lektüre geht, sei es, weil dem Autor nichts wirklich Neues mehr einfällt.

So sehr ich mich auch mühte, vor allem, nachdem ich das Prequel gelesen hatte, konnte ich meine Erwartungshaltung nicht mehr runterschrauben. Im Gegenteil. Sie wuchs noch.

Und stellte Karin Seemayer vor eine Aufgabe, die selbst erhelblich bekanntere Autoren bereits gerissen haben.

Aber ganz von Anfang an:

Das Buch führt uns zurück in das heimatliche Dorf von Karin Seemayers Heldin Antonella, das wir bereits in der Vorgeschichte kennengelernt haben. Aus dem Mädchen ist eine junge Frau geworden, die sich deutlich abhebt von ihrer mit beiden Beinen im Leben stehenden Protagonistin Sarah aus den „Albatrossen“.

Fast schon ist man geneigt, in der naiv-unschuldigen Art des ungebildeten Bauernmädchens die Blaupause für einen klassischen historischen Roman zu erkennen. Aber Karin Seemayer wäre nicht meine liebste Autorin von historischen Romanen, wenn sie dieses langweilige Strickmuster aufnehmen würde.

Sie stattet Antonella nicht mit irgendwelchen hochfliegenden Träumen aus, die zum Scheitern verurteilt sind, sondern zeichnet mit Detailtreue und ganz viel Liebe die authentische Figur einer Frau aus dem 19. Jahrhundert. Eine karge Umwelt, harte Lebensbedingungen haben die kindlichen Zukunftsträume, die sie mit ihrer Freundin Francesca hegte, auf die Größe der Kobolde schrumpfen lassen, die (da bin ich mir sicher) in den Bergen rund um den Monte Ventasso hausen.

Auch wenn sie nicht wirklich etwas für Paolo empfindet – das schier unfassbare Glück, dass der ebenso schmucke wie begehrte Müllerssohn ausgerechnet um sie, die Tochter eines armen Schäfers wirbt, lässt sie nicht kalt. Und wenn es auch nur die Vorstellung ist, als Ehefrau des reichsten Mannes im Dorf nie mehr frieren zu müssen – im Ausgleich daran wird sie sich gewiss schon irgendwann an seine Küsse gewöhnen, die bei ihr so gar nicht das Herzklopfen hervorrufen, von dem die Lieder und ihre Freundinnen erzählen …

Karin Seemayer gelingt es sehr gut, dieses Denken glaubhaft zu transportieren, mich fröstelte es, obwohl ich beim Lesen unter der warmen Bettdecke steckte.

Als dann Marco auftritt, um Antonella zu retten, zitiert Karin Seemayer gekonnt ein Klischee aus den Plots gängiger Historienschinken – nur, um es auf den folgenden Seiten Mal um Mal zu widerlegen. Die schüchterne Antonella wächst, sie begehrt gegen den Fremden auf, der sie so anders behandelt als sie von den meist arrangierten Ehen ihrer Heimat kennt.

Und etwas anderes wächst … nicht nur das zarte Pflänzchen der Zuneigung zwischen den beiden, sondern auch die Flamme der zweiten Unabhängigkeitsbewegung Italiens.

Auf ganz wunderbare Weise versteht Karin Seemayer es, die geschichtspolitischen Hintergründe, Lokal- und Zeitkolorit mit der Liebesgeschichte so ausgewogen und abwechslungsreich zu verweben, dass man beim Lesen nie in Versuchung gerät, einen Abschnitt zu überblättern.

Im Gegenteil, ich flog über die Seiten nur so dahin, und stellte allzu schnell fest, dass die 400 Seiten des Buches zur Gänze verschlungen waren, sodass mir jetzt nichts bleibt, als auf die Fortsetzung dieser spannenden Familiensaga zu warten, an der die Autorin dem Vernehmen nach bereits sitzt.

Karin Seemayer hat mit „Die Tochter der Toskana“ ihren Rang als meine Lieblingsautorin historischer Romane noch einmal gefestigt.

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